Ich bin im September nach Muenchen gezogen. Masterstudium, neue Stadt, null Leute gekannt. Am Abend vor der O-Woche hab ich mir selbst einen Satz gesagt, laut, im Spiegel: 'Kein Dating in diesem Semester. Fokus auf Studium und Freunde.'
Tag 9 saessen Luca und ich am Westlichen Eisbach, nassgeschwommen, und er sagte: 'Also du wolltest angeblich nicht daten.'
Wie das passiert ist
O-Woche-Tag eins. Erstsemester-Fakultaets-Event. Ich kenne keinen, also trinke ich zwei Biere und rede mit der Frau hinter der Kaffee-Theke ueber ihre Buchempfehlungen.
Hinter mir steht ein Typ, hoert zu, und nach zwei Minuten sagt er: 'Du solltest Handke lesen — aber nicht den, den alle lesen. Die Angst des Tormanns.'
Ich drehe mich um. Luca. Er ist Architektur, hat vor drei Jahren hier angefangen, ist 'sort of' bei der O-Woche dabei, um seinem Mitbewohner zu helfen, der Tutor ist.
Der erste Abend
Wir reden 40 Minuten am Rand der Veranstaltung. Er hat diese ruhige Art, zu sagen, er wisse nichts, waehrend er ueber drei Autoren detailliert spricht. Beim Abschied fragt er nach meiner App — nicht nach Instagram, sondern MyTripDate. 'Matchen wir uns, dann hab ich nicht das Gefuehl, ich hab dich hinterhergeschleppt.'
Das war geschmeidig. Und, zugegeben, funktionierte.
Die Chat-Phase (Tag 2-5)
Wir chatteten. Ich hielt mich an meinen Plan — hoeflich, nicht flirty. Er hielt sich an den Plan auch. Er schrieb mir Empfehlungen fuer Cafes, in denen man arbeiten kann. Ich tat, als haette er mit irgend jemandem geredet.
Tag 4: Ich merke, ich schaue aufs Telefon oefter. Das ist ein Signal.
Tag 6: die Einladung
Luca schreibt: 'Es gibt ein Sommerabend-Konzert am Olympiasee. Klassik, open air. Wenn du noch niemanden kennst in Muenchen, koennte das ein erster Ort sein.'
Kein 'Date' im Wort. Kein 'wir' als Absicht. Aber ich wusste es. Er wusste es.
Ich hab zugesagt. Und meinen Plan in eine Schublade gelegt.
Tag 7: Das Konzert
Schon auf dem Weg hin wusste ich, dass's ein Date ist. Ich hatte das schwarze Hemd an, das ich fuer 'ernste Events' reserviere. Er hatte sich auch aufgestockt.
Die Musik war okay, der Abend war wahnsinnig. Wir redeten waehrend der Pause ueber das Buch, das er mir erwaehnt hatte. Er las es grad wieder — 'ich schwoere, das ist Zufall'. Wahrscheinlich nicht, aber ich liess es ihm.
Ich hab nach Hause gedacht: okay, vielleicht ein Ausnahme-Mensch.
Tag 8: Der Schwenk
Tag danach, Samstag, er schreibt: 'Sonntag Eisbach-Surfen gucken? Dann Fruehstueck irgendwo.'
Zwei-Date-Kombi. Ich antwortete 'Ja'. Der Plan war jetzt offiziell tot.
Tag 9: Der Kuss
Englischer Garten, Eisbach. Nach dem Gucken gingen wir zum westlichen Wasser, wo weniger Touristen sind. Er hat mich gefragt, ob ich rein will. Ich habe nein gesagt. Er ist rein, ich hab gelacht.
Als er zurueck am Ufer war, klatschnass, fragte ich halb-verschaemt: 'Du weisst, ich hatte einen Plan, oder?'
'Du meinst 'kein Dating'? Hat bisher lange gehalten.'
Wir haben uns auf der Wiese gekuesst. Es gab Spaziergaenger, die geguckt haben. Peinlich, aber es war so.
Was ich gelernt habe
Meine 'kein Dating'-Regel war ein Schutzmechanismus, nicht ein Ziel. Ich hatte Angst davor, dass eine neue Stadt mit einer sofortigen Beziehung chaotisch wird. Stimmt, das kann sie. Aber es heisst nicht, dass jede Begegnung gefaehrlich ist.
Die richtige Person in der richtigen Woche verdreht Plaene. Das ist nicht Schwaeche, das ist Flexibilitaet.
Die Sache mit der O-Woche
Semester-Anfang ist ein statistisches Hotspot fuer Verbindungen. Alle sind neu. Alle suchen. Alle sind bereit. Du kannst deinen inneren Pakt haben, aber hab keine Todes-Regel.
Luca und ich sind jetzt seit sechs Monaten zusammen. Mein Studium laeuft immer noch gut. Die Freunde, die ich in der O-Woche getroffen habe, sind immer noch meine Freunde. Die Regel war unnoetig.
Der Takeaway
Plaene sind gut. Aber wenn sie mit der Realitaet kollidieren, lass die Realitaet gewinnen. Meistens weiss sie's besser.